Bereits seit mehr als dreissig Jahren existiert in Luzern das Comic-Festival FUMETTO. Mit seinen Aktivitäten und Angeboten hat es sich mittlerweile auf die ganze Stadt ausgeweitet. Seit vielen Jahren dabei ist auch das Kunstmuseum Luzern. Die Kuratorin Eveline Suter hat die Künstlerin Constanza Giuliani 2022 in Basel an der Liste Art Fair entdeckt und entschloss sich, mehrere ihrer Arbeiten in einem separaten Raum parallel zum Fumetto zu präsentieren.



Constanza Giuliani (*1984 in Mendoza) ist eine argentinische Künstlerin. Sie studierte Bildende Kunst an der Nationalen Universität von Cuyo, nahm an verschiedenen Künstlerprogrammen im In- und Ausland teil und erhielt diverse Stipendienaufenthalte zum Beispiel in New Jersey. Gruppenausstellungen wurden in den letzten Jahren von Einzelausstellungen abgelöst. Zudem erhielt sie mehrere Preise wie den Rosario National Salon First Prize 2021.


Beim Betreten des Ausstellungssaales überrascht mich die verspielte Farbigkeit. Der Raum ist in eine Landschaft verwandelt mit Fluss, Steinen, Pflanzen und einen Hügel um darauf zu sitzen oder liegen. Besteigen lassen sich die Gebilde eher nicht, da sie flauschig weich sind. Das ist nun also die Welt des Schmetterlings Mariposa. An der Wand neben dem Hügel hängt ein Schwarm Schmetterlinge mit unterschiedlichen deutschen und englischen Texten bedruckt in schwarz/weiss. Einen davon erhielt ich als Geschenk mit Widmung. Der erste Eindruck von der Künstlerin ist der einer etwas schüchternen Person. Doch mit unserem Interesse an ihrer Arbeit, die durch Comic und Pop-Kultur inspiriert ist, öffnet sie sich und gibt bereitwillig Auskunft. Ihre Basics sind das Zeichnen und Malen mit Acryl auf Leinwand. Mit dem Airbrush aber nähert sie sich stilmässig dem Graffiti, der Animation oder sogar dem Surrealismus an. Die Formen sind einfach und meistens bunt. Interessant auch, wie sie in diesem schwarz/weiss Bild das Wasser verwendet, um einen Aquarell-Effekt zu erzeugen. Indem sie ihre Bilder beschriftet, entwirft sie Geschichten in Pseudo-Comic-Form.

Anlass für die Entwicklung der Figur des Schmetterlings Mariposa 2018 waren die Proteste gegen Gewalt an Frauen, also etwas ganz und gar nichts Liebliches, wie der erste Eindruck der Ausstellung suggeriert. Schmetterling hat im Spanischen ein weibliches Geschlecht. Und so lässt die Künstlerin ihre junge Protagonistin Mariposa durch einen Wald aus Gräsern zur Universität irren. Von der Unsicherheit zu mehr Selbstbewusstsein.

Interagierend mit anderen Persönlichkeiten, die auch zweifeln und nicht wissen, wer sie sind. Die Stimmung ist eher märchenhaft, unwirklich. Was gehört zur individuellen Entfaltung, was ist Kreativität und Bildung? In Einzelbildern wird diese Entpuppungsgeschichte auf der Suche nach der Identität dargestellt. Viele der menschlichen Gestalten und Tiere sehen zwar süss und verführerisch aus, zeigen aber durch die Texte auch Brüche. Und am Schluss möchte sie eine «Maripersonalidad» sein, eine Schmetterlingspersönlichkeit.

Der Titel der Ausstellung heisst ja: Was steckt im Körper der Poetin? Diese Frage kann ich nicht beantworten. Aber eines weiss ich gewiss, in der Künstlerin steckt auch eine Poetin.
Auch gab es mehrere interessante Zusatzveranstaltungen, einige in Anwesenheit der Künstlerin.
http://www.kunstmuseumluzern.ch
Keiichi Tanaami: Trauma und Träume