Ambros Uchtenhagen: Psychiater und Maler

Der Psychiater und Professor

In der Schweiz und im Ausland ist Ambros Uchtenhagen als Suchtexperte bekannt. Er war die Koryphäe in der Sozialpsychiatrie in Zürich und entwickelte eine engagierte, menschliche Drogenpolitik anstelle der vorherigen nur repressiven. Vor Jahrzehnten war dieser fortschrittliche Ansatz durchaus umstritten, mit seiner besonnenen Kompetenz setzte er diesen dann durch.

Der Maler

Dass er seit seiner Jugend malt, wussten die wenigsten. Bevor er sich seinem Studium der Medizin zuwandte, hat er auch Kunstgeschichte studiert. Es gibt ein Jugendbildnis von ihm und daneben ein Portrait, in dem er sich damals vorstellte, wie er im Alter ausschauen würde. Als ich Herrn Uchtenhagen das letzte Mal im Frühling anlässlich einer Antrittsvorlesung an der Uni sah,  war keinerlei Ähnlichkeit mit seinem frühen, missmutigen Selbstportrait auszumachen.

Er spielt mit starken Farbkontrasten und der Geometrie, Gottfried Honegger hat  ihn anscheinend zum Konstruktivismus gebracht. Würde man seine Kunst aber konstruktiv-konkret nennen, verkennt man seine  anthropomorphen Frühwerke.

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Bei seinem Bild „Schrei 2“  kommen einem selbstverständlich  die vier Gemälde und die Lithographie von Edvard Munch mit dem Titel „Der Schrei“ in den Sinn.  Mich würde interessieren, was wohl bei Herrn Uchtenhagen der Hintergrund zum Entstehen dieses Werkes war.

 

Der Altruist

Vor vielen Jahren besuchte ich Vorlesungen in Sozialpsychiatrie bei Herrn Uchtenhagen. Eine davon fand in der Psychiatrischen Klinik Burghölzli von 18-20 Uhr statt. Es war ein schöner Sommerabend und man beschloss, die Vorlesung draussen im Innenhof abzuhalten. Wir nahmen die Stühle mit und ich sass in der ersten Reihe. Herr Uchtenhagen stand ein paar Meter entfernt. Ich trug einen knöchellangen Rock und eine weisse ärmellose Bluse. Ein Wind kam auf, der mich frösteln liess. Herr Uchtenhagen zog, während er weiter dozierte, sein Jackett aus, kam auf mich zu und sagte: „Darf ich Ihnen meine Jacke anbieten?“ Dies war die einzige „private“ Kommunikation, die ich je mit Herrn Uchtenhagen hatte und trotzdem habe ich sie seiner Freundlichkeit wegen nicht vergessen. Ich bin überzeugt, dass es unzählige Menschen gibt, die ähnliche Episoden mit Herrn Uchtenhagen kennen.

Die Ausstellung Wunden, Rätsel, Funde fand anlässlich seines 90. Geburtstages in der Stiftung Kunstsammlung Albert und Melanie Rüegg statt.

http://www.kunstsammlung-ruegg.ch

 

 

 

 

 

 

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