Glas: Kunst Kunst: Glas

Bis kürzlich wusste ich selbst nicht, dass es überhaupt Kunstwerke aus Glas gibt. Sicher, ästhetisch schöne Trinkgläser haben die Menschen bereits seit mehr als dreitausend Jahren entworfen. Schon im Altertum war die Herstellung von Glas aus zerkleinertem Quarzgestein und sodahaltiger Pflanzenasche bekannt.IMG_2904 Durch die Beigabe von verschiedenen Metalloxiden wurden die Farben violett, blau, grün, rot, gelb, weiss, schwarz erzeugt.  Ich frage mich, wie sie damals die hohen Temperaturen von 800 bis 1100 Grad, die zur Schmelze nötig waren, erzeugen konnten. Der Uebergang von der Schmelze zum Glas geht allmählich vonstatten und während dieses Transformationsbereiches, dem amorphen Stadium, ist die Masse formbar, bevor sie ganz abkühlt und erstarrt. Wobei sich die Struktur des Glases auch im Festzustand nicht im thermodynamischen Gleichgewicht befindet, wie ihr bei dieser atomaren Struktur in der Darstellung seht.

Die Formung erhält man durch Blasen, Pressen, Schleudern, Spinnen, Walzen oder Ziehen.

Ein gut erhaltenes Salbölfläschen ist aus dem römischen Zürich gefunden worden. (© Roland zh) Ein römisches Tropffläschen aus dem 1. Jahrhundert zeigt bereits, dass es nicht bloss um die Funktion gegangen ist, sondern auch um Schmuck. Dieses soll einen Gladiatorhelm abbilden. (Römisch Germanisches Museum Köln) Das andere Foto zeigt sehr schön die Farbschattierungen antiker Flaschen. (©Wolfgang Sauber) Aber nicht bloss Flaschen und später Kirchenfenster wurden aus Glas hergestellt, sonden auch Perlen, Trinkschalen. Im keltischen Mitteleuropa wurden als Grabbeigabe auch Glasarmringe, Fingerringe  und Ringperlen gefunden. In Wikipedia könnt ihr Wissenswertes dazu lesen.

 

Letzthin reiste ich wegen einer bestimmten Ausstellung,  über die ich euch später in einem Beitrag berichten werde, nach Lausanne ins Mudac (musée de design et d’arts appliqués contemporains). Und da stolperte ich über diese bemerkenswerte Sammlung aus Glas: „Verre en Scène“

 

Die Ausstellung will die Grenzen zwischen internationaler  Glaskunst, Design und moderner Kunst poröser machen und die diversen Techniken veranschaulichen.

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Bereits während der Formung geschieht die Färbung und in verschiedenen Stadien des Prozesses erfolgt die Bearbeitung

durch Bleiverglasen, Aetzen, Bemalen, Biegen, Sandstrahlen oder Fusing.

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Das Titelbild heisst jardin d’addiction und soll das menschliche Gehirn als Suchtzentrum versinnbildlichen. Die abhängig machenden Stoffe wie Kaffee, Nikotin, Opium und andere bilden die Inhalte in diesen Synapsen.

Mir wurde bei verre en scène klar, dass die Herstellung von Kunst aus Glas neben dem Kreieren zum handwerklich Komplexesten und zum Fragilsten gehört, das KünstlerInnen erschaffen können.

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Die Fotos habe ich, mit den drei Ausnahmen der römischen Gläser und der atomaren Struktur (aus Wikipedia), alle im Mudac aufgenommen.              http://www.mudac.ch

 

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