Die Novembergruppe in Berlin im Spannungsfeld von Kampf und Kunst

Während der Revolution gründete sich 1918 in Berlin die Novembergruppe. Als „Vereinigung der radikalen bildenden Künstler“ hatte sie das Ziel, sich aktiv an der Gestaltung  einer neuen Gesellschaft zu beteiligen.  Durch den Ersten Weltkrieg war der Austausch mit den ausländischen KünstlerInnen unterbrochen. Die Novembergruppe bemühte sich nun intensiv um Kontakte mit der europäischen Avantgarde. Sie war offen für die moderne Kunst in allen Spielarten. Deshalb existiert auch kein einheitlicher Stil.

 

Russischer Konstruktivismus, Niederländische De-Stijl-Gruppe, Expressionismus, Realismus, Kubismus, Futurismus, Dadaismus bildeten einen Stil-Synkretismus. Das Ziel der Künstler und (wenigen) Künstlerinnen war die „Vereinigung von Kunst und Volk“. Daher versuchten sie auch, Einfluss auf öffentliche kulturelle Aufgaben zu nehmen. Am Wichtigsten waren  ihnen aber die regelmässigen Ausstellungen. Jedes Jahr war die Novembergruppe mit einem eigenen Raum an der Grossen Berliner Kunstausstellung vertreten.  Dazu lud sie auch internationale Künstler ein wie Marc Chagall, Georges Braque, El Lissitzky und viele mehr.

 

Die ersten Auftritte der Gruppe waren für viele Intellektuelle „Befreiungsenergien der neuen Kunst“, vom Volk jedoch wurden die künstlerischen Positionen nicht goutiert. Es fand sie verstörend.

Ich finde das Bild von Georg Scholz, Industriebauern, 1920, wundervoll bösartig: Durch Dadaisten inspiriert, hat er auch Collagenelemente integriert in seine Fassung einer raffgierigen, bigotten Bauernfamilie. Anscheinend haben bei der Präsentation 1921 einige Politiker  des rechten Spektrums aufgebracht den Saal verlassen.

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Georg Grosz hatte die Novembergruppe stets zu mehr politischem Engagement aufgerufen. Hier in „Stützen der Gesellschaft“, nahm er reaktionäre Kräfte aufs Korn wie Juristen, Geistliche, Journalisten, Militär.

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Heinrich Emsens Irrensaal, 1925, ist auch so ein kritisches Gemälde.

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Conrad Felixmüller hat mit „Der Agitator“  ein zeitloses Werk geschaffen. Es zeigt den kommunistischen Politiker Otto  Rühle bei der Rede vor ArbeiterInnen, obwohl Felixmüller selber Mitglied der Kommunistischen Partei war.

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Als eine der wenigen Frauen hat auch Hannah Höch ausgestellt: die Journalisten, 1925 und der Zaun, 1928.

 

Warum habe ich als Titelbild  „Der Gipfel“, 1922, von Hans Siebert von Heister gewählt? Weil am Anfang die Gruppe wenig politisch war und tatsächlich viele Gemälde mit kosmischen und religiösen Themen wie Geburt, Paradiesszene, Schwüle, Segnung etc. entstanden sind. Erst Mitte der zwanziger Jahre wurde sie politischer und zeigte mehr gesellschaftskritische Werke.

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1933 musste sich die Gruppe auflösen. Die Nationalsozialisten nannten sie die „Rote Novembergruppe“ und aufgrund der abstrakten Werke wurde sie als bolschewistisch beschimpft.

Die Fotos habe ich  in der Berlinischen Galerie gemacht. Dort fand auch die Ausstellung „Freiheit    Die Kunst der Novembergruppe 1918 -1933“ statt.

 

http://www.berlinischegalerie.de

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