Martin Gut: Exchanging Perspectives

Ein  langer schmaler Gang mit unzähligen Fundstücken an beiden Seiten führt hinunter in das Atelier des Künstlers Martin Gut. Nein, Atelier ist der falsche Ausdruck, in seine kreative Werkstatt. Der 1976 in Luzern geborene Künstler hat bereits eine 25 Jahre dauernde kreative Karriere hinter sich.

Spuren davon und von zukünftigen Arbeiten sind in seiner Werkstatt überall zu finden. Er hatte bloss ein Jahr lang den Vorkurs der Kunstgewerbeschule Luzern besucht und seither bestreitet er als  kreativer Autodidakt zu einem Teil seinen Lebensunterhalt. Angefangen hatte er als Jugendlicher mit  von H.R. Giger beeinflussten düsteren Airbrush-Arbeiten. Danach kam die Phase der Malerei mit leuchtenden Farben.

Zu dieser Zeit begann er zusätzlich seine vielfältigen kulturellen Interessen als Veranstalter auszuleben. Z.B. war er Mitbegründer des Kulturwerks 118 in Sursee. Eines seiner riesigen Airbrush Spray-Ups ist dort immer noch zu bewundern. Sein Studium als Kulturmanager konnte er dank seiner jahrelangen Erfahrungen als Organisator und Veranstalter von Kulturevents absolvieren.  Inzwischen sichert er sich mit Installationen, Objektcollagen, Erfindungen und Kunstaktionen seinen Lebensunterhalt.

Seine Arbeiten sind gezeichnet von gesellschaftlichen und politischen Fragen, über die er lange und ausführlich philosophiert, um sie dann auf oft skurrile oder provokative Weise umzusetzen.

Eine seiner Kunstinstallationen, die begehbar ist, ist das Büro für  Verwertung verpasster Chancen. Dieses streng geometrische und dreidimensionale Gebilde versinnbildlicht viele Konzepte und Wettbewerbseingaben eines Künstlers, die nie realisiert wurden.kunst-installation_martin-gut_buero-fuer-verwertung-verpasster-chancen

Aber er scheut auch den direkten Kontakt nicht: Er eröffnete mehrere Stunden lang den Raum der konstruktiven Kritik. Bei dieser einzigartigen Dienstleistung beurteilte der Künstler, was die Leute geprüft haben wollten von der Frisur bis zum Verhalten. Seine Art der Kritik wolle die Kritisierten weiterbringen, ihr Potential ersichtlich machen.

Hier ist der Raum der Wut. Aufgrund einer Umfrage ermittelte er prominente Personen, denen man gerne eine Ohrfeige geben würde. Deren Masken sind im Raum verteilt. Die Leute wurden aufgefordert, sich auf die „Wätschmaschine“ zu setzten und sich selbst mit den angezogenen Masken Ohrfeigen zu verteilen.kunst-installation_martin-gut_raum-der-wut_1

Diese Installation heisst: System einer Kopplung der Geldschöpfung an Kunst und kulturelle Innovation mit einer Bindung der Geldmenge in der Oekologiemartin-gut_System-einer-Kopplung-der-Geldschoepfung-an-Kunst-und-kulturelle-Innovation-mit-einer-Bindung-der-Geldmenge-in-der-Oekologie

In einer seiner Performances wollte  er im November eine Woche lang im freien Staat „Noseland“  nackt und schutzlos  unter freiem Himmel überleben und  an einem Landartwerk arbeiten. Allzu lange blieb er nicht wie Gott ihn schuf, da die Boulevard-Presse titelte: „GEBT DIESEM MANN EINE UNTERHOSE! Kunst-Aktion: Nackter braucht Kleider.“ (Blick-Online, 21.10.2014)  Anscheinend erhielt er nach dem Spendenaufruf  einiges von den Champignons in der Dose, über Kaffee, Bier und Whisky bis zu drei Zelten, Feuerholz und Kleidern. Das warf dann die Fragen auf: Kunst, Provokation oder Denkanstoss?

Aber genau darum geht es Martin Gut: Denkanstösse. In seinem Objekt Drugsomat bietet er eine Auswahl von illegalen und legalen Drogen von Heroin bis Alkohol an. Beziehungsweise würde der Automat anbieten, wenn er nicht  dauerhaft defekt wäre. An einer Ausstellung in der TART-Galerie in Zürich erwischte ich den Künstler gerade mit einem Bier neben seinem Automaten. Auch er ist also nicht vor diversen Süchten gefeit.

Bei seinem Objekt Der Braut schneiderte er aus einem Hochzeitskleid einen Smoking aus Spitze.  Hier hinterfragt er romantische Rituale unter dem Gender-Aspekt.kunst-objekt_martin-gut_der-braut_02

Woher hat er eigentlich all die handwerklichen Skills, um seine Installationen und Objekte herzustellen, habe ich ihn gefragt. Von seinem Vater, lautet die Antwort. Dieser hatte eine Autospenglerei und Klein-Martin durfte schon früh zuschauen und mittun.

Es war für mich sehr schwierig, aus der Fülle der der künstlerischen Arbeiten eine Auswahl  für diesen Blogbeitrag zu treffen, aber seine Werke sind umfassend auf seiner Homepage dokumentiert. kunst-installation_martin-gut_begegnung_1

Martin Gut ist ein angenehm bodenständiger Mensch, der sich immer wieder mit dem Alltäglichen und Normalen auseinandersetzt, um dann seine intuitiven oder meistens sehr durchdachten Schöpfungen zu kreieren.

Sein stets überraschendes Werk verdient es, sich näher mit diesem zu befassen. Ich hoffe, ihr habt Lust bekommen, dies auf http://www.gut.ch zu tun!

Und hier noch ein Video zur Luzerner Ausstellung:  https://vimeo.com/370302026

 

 

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