Lee Krasner: Verkannt und Erkannt

Lena Krassner kam 1908 in New York auf die Welt. Ihre jüdischen Eltern waren zuvor aus ihrem Schtetl nahe Odessa vor brutalen Progromen geflüchtet. In ihrem strenggläubigen Elternhaus wurde Russisch und Jiddisch gesprochen und auf Hebräisch gebetet. Als Teenager änderte sie ihren Namen dann in Lee Krasner und sagte sich von der Religion los.

Sie besuchte die Washington Irving High School, da diese einen Kunstkurs für Mädchen anbot. Nach ihrem Abschluss mit 17 Jahren studierte sie an der Woman’s Art School der Cooper Union. 1928 begann sie mit einer kleinen Serie von Selbstporträts, um damit in die Aktklasse an der National Academie of Design aufgenommen zu werden. Was ihr auch gelang. Da sie über wenig finanzielle Mittel verfügte, um Malutensilien zu kaufen, schabte sie weniger gelungene Leinwände wieder ab, um sie erneut zu verwenden.

In der Wirtschaftskrise 1932 musste sie die National Academie verlassen und wechselte ans kostenlose City College of New York, auch um dort eine Lehrerinnen-Diplom zu erwerben. Sie verdiente abends als Coktailkellnerin ihr Geld und neben den Vorlesungen als Aktmodell.

Für ihre eigenen Aktstudien konnte sie sich keine teuren Farben leisten und verwendete deshalb günstige Contéstifte. Dabei arbeitete sie mit starken Kontrasten. Das figürliche Arbeiten gab sie aber später ganz auf. Und unter dem deutschen Maler Hans Hofmann an der Hofmann’s School of Fine Arts, für die sie ein Stipendium erhalten hatte, wandte sie sich der kubistischen Abstraktion zu und entwickelte sich weiter zur freien Abstraktion mittels der Push and Pull-Technik. Zu der Zeit war sie auch politisch in der Künstlergewerkschaft aktiv. Von 1935 bis 1943 verschaffte ihr das WPA-Federal-Art-Projekt viele Aufträge für die Gestaltung öffentlicher Gebäude.

In dieser Zeit lernte sie auch Jackson Pollock kennen. Sie war beeindruckt von seinen Werken und stellte ihn anderen Künstlern vor. Seine Arbeitsweise und Kreativität verursachte eine Schaffenskrise bei Lee Krasner. Sie konnte nur noch die „gray slabs“ produzieren. Das waren mehrfach übermalte Leinwände unter deren Pigmentschicht nichts hervortreten konnte.

1945 heirateten die beiden und kauften mit 2000 Dollar von Peggy Guggenheim ein altes, heruntergekommenes Bauernhaus auf Long Island. Lee Krasner wollte Pollock von den negativen Einflüssen der Stadt weghaben, seine Wutausbrüche und Alkoholexzesse waren legendär. Er arbeitete in der Scheune, sie im Schlafzimmer. Da sie sich nicht leisten konnten alles zu beheizen, arbeitete sie fortan nur noch im Wohnzimmer neben dem Ofen. Dort entstanden auch zwei Mosaiktische.

Beide inspirierten sich künstlerisch. Doch während er zum „grössten amerikanischen Künstler“ ausgerufen wurde, blieb sie im Hintergrund. 1951 hatte Lee Krasner ihre erste Einzelausstellung in New York, die Werke wurden positiv aufgenommen, verkauft hatte sie jedoch keines.

Diese beiden Gemälde von ihr gefallen mir am besten: Das rechte nannte sie Prophecy, es stammte aus der Zeit, als Pollocks Trunksucht und sein Verhalten ihr gegenüber immer unerträglicher wurden. Das linke heisst Three in Two und sie malte es kurz nach seinem Tod in ihrer teifsten Trauer. Dazu gehören noch zwei andere Gemälde mit den Titeln Embrace und Birth. In diesen vier Gemälden finde ich eine unglaubliche Kraft und Energie versinnbildlicht, die aggressiv oder erotisch wirken kann.

Pollock verausgabte sich in dieser Zeit, malte die Nächte durch, trank noch mehr und legte sich eine Geliebte zu. Krasner verlangte eine Entscheidung von ihm und brach im Juni 1956 alleine zu der gemeinsam geplanten Europa-Reise auf. Am 12. August kam die Nachricht, dass Pollock tödlich verunglückt sei. Er hatte im Vollrausch den Wagen mit seiner Geliebten und deren Freundin an einen Baum gefahren. Nur die Geliebte überlebte schwerverletzt. Als seine Witwe wurde Lee Krasner auch seine Nachlass-Verwalterin.

In ihrer Trauer malte sie unermüdlich. Zudem verlegte sie ihr Atelier nun in Pollocks Scheune. Kurz darauf starb auch ihre Mutter und Lee Krasner litt neben der Schlaflosigkeit auch unter Depressionen. Es entstanden ihre nächtlichen Arbeiten unter Kunstlicht.

In den späten sechziger Jahren kaufte sie sich eine Wohnung in Manhatten. Anfang der siebziger Jahre hatte sie mehrere bedeutende Ausstellungen. Die Kritiker waren begeistert. Auch ihre grossformatigen Kollagen, die sie aus zerschnittenen Zeichnungen, die ihr nicht gefielen, zusammengesetzt hatte, fanden Anklang.

Sie trat der Gruppe „Women in the Arts“ bei, die sich für die grössere Beachtung von Künstlerinnen einsetzte. Dazu gehörten auch Louise Bourgeois und Maria Lassnig.

1981 kuratierte eine Freundin von ihr die Ausstellung: Krasner/Pollock A Working Relationship. Danach wurde von ihr und Pollock als einer künstlerischen Beziehung auf Augenhöhe gesprochen. Sie erlebte diesen Triumph noch und starb 1984 in Manhatten. Sie wurde neben ihrem Ehemann bestattet. Ein paar Monate danach eröffnet das Museum of Modern Art eine Einzelausstellung mit ihr. Seither wuchs ihre Bekanntheit. Wie ich finde, zu Recht!

Interessant finde ich, dass das Kunstmuseum Bern bereits 1989 eine Doppelausstellung dem Künstlerpaar Krasner/Pollock gewidmet hatte.

Die Ausstellung: Lee Krasner Living Colour fand im Zentrum Paul Klee statt. http://www.zpk.org

Alle Fotos habe ich in dieser Austellung gemacht.

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