Brigitte Kowanz: die Arithmetik des Lichts

Es gibt immer noch KuratorInnen, die behaupten, es wäre sehr schwierig, Künstlerinnen, deren Werk etwas hergibt, für Soloausstellungen zu entdecken. Komisch: warum gelingt denn dies zum Beispiel Sabine Schaschl vom Haus Konstruktiv in Zürich dauernd?

Manchmal wundere ich mich, wie wenig wir über die Künstlerinnen unseres Nachbarlandes Oesterreich doch wissen. Einigen von uns sind gerade noch MARIA LASSNIG und VALIE EXPORT ein Begriff. Von BRIGITTE KOWANZ waren mir nur diese Leuchtstofflampen mit fluoriszierenden Pigmenten bekannt. Und die sah ich bereits vor mindesten zwanzig Jahren. Aufgefallen daran ist mir, da in Museen normalerweise Bilder angeleuchtet werden, dass hier das „Bild“ selbst leuchtet.

BRIGITTE KOWANZ , geboren 1957 in Wien, begann nach ihrem Studium an der Hochschule für Angewandte Kunst in Wien mit transparenten Bildträgern und selbstleuchtenden Pigmenten zu experimentieren. Damit löste sie sich vollends von der konventionellen Malerei. Ihr Thema wurde damit das Medium LICHT. Und zwar als eigenständiges Phänomen. Obwohl Lampen und Leuchtstoffröhren verwendet werden, sind keine flirrenden Bildschirme von ihr in dieser Ausstellung zu erwarten.

Bei diesen Arbeiten bezieht sie auch die Sprache ein. In die orangen Glimmlampen sind Buchstaben eingelassen, die uns in den verschiedensten Sprachen den immerselben Satz leuchten: LICHT IST WAS MAN SIEHT

Anscheinend, laut Medienmitteilung, kennt ihr Werk keine strikt voneinander trennbaren Werkphasen und die Ausstellung ist auch weder chronologisch noch thematisch gegliedert. Mein Eindruck ist jedoch ein anderer. In den Anfängen dreht sich bei ihr vieles um die Prozesse des Beleuchtens und um kunsttheoretische Inhalte. Dann wird alles stets mehrdeutiger, es werden richtiggehend Reflexionsräume aus Licht entworfen und die Inhalte werden gesellschaftspolitischer, ökologischer.

Die Bedeutungen vieler ihrer Objekte erschliessen sich nicht sofort. BRIGITTE KOWANZ ist seit mehr als zwanzig Jahren neben ihrer Tätigkeit als Künstlerin auch Professorin für Transmediale Kunst an ihrer Alma Mater. Die Künstlerin möchte gesellschaftspolitische und kunsttheoretische Botschaften transportieren, sie macht dies auf oft komplexe Art und Weise.

Beim obigen Foto ist diese Bedeutung ersichtlich durch den Titel MORSEALPHABET. Dieser Code taucht in vielen ihrer Arbeiten auf. Dafür verdunkelt sie die Abschnitte in der Neonröhre.

Bei diesem Bild sind die Grenzen des Tafelgemäldes eindeutig erweitert.

Aus diesem erleuchteten Kubus werden die wechselnden Projektionen an die Wände gesendet.

Eines meiner Hightlights der Ausstellung sind diese Schwarzlicht-Röhren: LIGHT STEPS. Unglaublich leicht und filigran. Die Treppe wohin?

In neuerer Zeit benützt die Künstlerin Spiegel, um den Weg des Lichtes in die Tiefe des Raumes zu senden.

Das Neonlicht in den Spiegeln schafft eine unendliche Wiederholung und dadurch faszinierende neuartige Einblicke.

Kürzlich kreierte sie die frei geschwungenen Neonarbeiten. Oft auch mit einem gesellschaftspolitischen Hintergedanken. Wie zum Beispiel mit dem Schriftzug CHANGE.

Während ich von Raum zu Raum ging, war ich erstaunt über diese unglaubliche Vielfalt an Ideen und Umsetzungen, die BRIGITTE KOWANZ dem Phänomen LICHT entlocken konnte. Das Licht als Informationsträger und gespiegelt als Endlosreflexion.

Den letzten Blogbeitrag über eine Künstlerin mit einer Ausstellung im Haus Kontruktiv schrieb ich über die Dänin KIRSTINE ROEPSTORFF. Auch sie beschäftigt sich mit Licht und Dunkelheit. Ihrer Meinung nach leben wir in einer Welt des Lichtes und sie zeigt uns die Dunkelheit mit den Unsicherheiten und Aengsten, die diese auslösen kann.

Wenn ich diese beiden Ausstellungen vergleiche, bin ich sehr überrascht, wie vielseitig und höchst unterschiedlich die beiden Künstlerinnen die Themen Licht/Dunkelheit verarbeiten.

Ich besuchte die Ausstellung LOST UNDER THE SURFACE an einem Regentag und merkte, dass diese Lichtinstallationen auch ohne grosses Nachdenken einfach genossen werden können. Ganz nach eurer Lust und Laune, tiefgründig und/oder entspannt!

Die Ausstellung LOST UNDER THE SURFACE im Haus Konstruktiv dauert noch bis 13.9.2020

http://www.hauskonstruktiv.ch

Die Fotos habe ich alle an der Ausstellung gemacht.

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