Maria Pomiansky: La Vie Est Belle

Ja, in Zürich gibt es einige bekannte und grosse Museen. Aber es sind auch immer wieder in den kleineren Ausstellungen von Galerien oder Stiftungen interessante Entdeckungen zu machen.

Eine dieser wenig bekannten Stätten der Kunstvermittlung ist die Stiftung Kunstsammlung Albert und Melani Rüegg. Dies war ein Künstlerpaar, das im 20. Jahrhundert kreativ tätig war, er hat gemalt, sie betätigte sich als Plastikerin. In den beiden Ausstellungsräumen, keine 50 Meter vom Kunsthaus entfernt, werden heutige Zürcher Künstler*innen ins Zwiegespräch gesetzt mit den GründerInnen.

Hier nun als Beispiel dazu das Treppenhaus von Pomiansky und eines von Albert Rüegg.

MARIA POMIANSKY, geboren 1971 in Moskau, wird vor allem mit ihren Zürcher Gemälden präsentiert. Obwohl der Titel LA VIE EST BELLE mit dem Werbeslogan der in Basel beheimateten Wurstfabrik spielt.

Als Zwanzigjährige  wanderte Pomiansky mit ihren Eltern nach Israel aus und machte in Tel Aviv eine Kunstausbildung. Danach hatte sie diverse Projekte in Israel und im Ausland zum Beispiel in Südkorea. Als Stipendiatin weilte sie auch in der Schweiz. Hier studierte sie nochmals Kunst, diesmal an der Zürcher Hochschule für Künste. Sie blieb Zürich treu und wie ihr auf ihren Bildern sehen könnt, setzt sie sich intensiv mit der Stadtentwicklung auseinander. Vor allem die Transformationen in «Züri West» treiben sie künstlerisch um. Ob der Bahnhof, die Europaallee oder die Kehrichtverbrennungsanlage, alles verarbeitet sie in ihren farbigen Gemälden.

Ich kann mich nicht entscheiden, ob sie diese Entwicklungen mit Distanz betrachtet oder etwa vielleicht doch als Betroffene. Als Titelbild habe ich ihr Gemälde vom Kochareal gewählt. Das um einiges lebendiger wirkt als die Wurstfabrik mit ganz grau in grau getönten Verwaltungsgebäuden, die mit der roten Wurst doch auf das Blut der getöteten Tiere hinweisst.

Dann gibt es noch die Werke, die alltägliche Szenen als Oel- oder Acrylgemälde auf Leinwand für die Ewigkeit festzuhalten vermögen. Die drei folgenden Bilder sind jedoch mit Filzstift auf Papier hergestellt.

Manche haben auch einen eher surrealen Einschlag.

Pomiansky zählt sich neuerdings zur Künstlerinnengruppe NEW BARBIZON, die aus über die Welt verstreuten Russischen Emigrantinnen besteht und die das Absurde der Realität entblössen will.  Ob ihr Stil nun zwischen Pop oder zeitgenössischen Realismus changiert, ist von untergeordneter Bedeutung.

Ich denke, ihre Aussagen sind ziemlich kapitalismuskritisch: Die Ente, die ihr eigenes Ei essen möchte und «Duck the System» betitelt ist, suggeriert uns doch sofort «Fuck the System».

Pomiansky und die Stadt: beide sind immer in Bewegung. Und auch wer Zürich nicht so gut kennt, wird in dieser Ausstellung neugierig gemacht auf die vielen Facetten einer lebenswerten Stadt auf dem Weg in die (unfreiwillige?) Urbanität.

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http://www.kunstsammlung-ruegg.ch

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