Schweizer Künstlerinnen im 20. Jahrhundert

Nun ja, es ist keine wirklich neue Idee, dass Museen heutzutage versuchen, die Werke von Künstlerinnen in ihren Sammlungen der Oeffentlichkeit zu zeigen. Aber eine gute. Schliesslich werden die meisten Museen zumindest teilweise von Steuergeldern finanziert. Und wenn früher auch nur wenig Kunst von Frauen aufgekauft wurde, könnte sie doch endlich mal gezeigt werden. Im Kunsthaus Aargau beträgt der Prozentsatz von Kunst von Frauen in der Sammlung mickrige 13 Prozent. Nun hoffen wir Steuerzahlerinnen, dass bald einmal Parität verkündet werden kann.

Und selbst wenn die Museen sich entschliessen, ihre bereits vorhandenen Arbeiten von Künstlerinnen zu entstauben, ist dies gar nicht so einfach. Ich erinnere mich an die Ausstellung «Kampf um Sichtbarkeit» der Alten Nationalgalerie in Berlin vor drei Jahren. Eine der Schwierigkeiten hatte in den zuvor fehlenden grossen Beträgen bestanden, die für die Restauration der mehrere Jahrhunderte alten Gemälde aufgebracht werden mussten.

Oder als das Historische und Völkerkundemuseum in St. Gallen vor zwei Jahren Schweizer Künstlerinnen des 19. Jahrhunderts ausstellen wollte, fehlte auch einfachstes biographisches Material über die Frauen. Nicht mal die eigenen Familien fanden es bedeutend, was künstlerisch kreiert worden war. Einmal wurde man erst in einem Artikel in einer englischen Zeitung von damals fündig.

Aber das Kunsthaus Aargau will in der neuen Ausstellung «Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau….»  den Fokus auf die Künstlerinnen zwischen 1970 und 2000 legen. Bei diesem Querschnitt existieren diese Schwierigkeiten kaum. Es sind nicht nur Exemplare aus der hauseigenen Sammlung zu betrachten, sondern diese wurde mit Leihgaben ergänzt. Und das Schaffen wird durchaus ausgeweitet auf die Anfänge des 20. Jahrhunderts. Oder wie sonst kämen wir zu den Gemälden einer Alice Bailly oder Sophie Taeuber-Arp?

Die Gastkuratorin Elisabeth Bronfen hat die Ausstellung in fünf Schwerpunkte gegliedert: Ausgestellt, Frauenzimmer, Das versehrte Gesicht, Pop als Haltung, Ver-rücktes Sehen. Dabei geht es nicht um die Frage nach einem spezifisch weiblichen Blick, sondern darum «…mit einem vom feministischen Diskurs um sexuelle Differenz geschärften Blick auf diese Kunst zurückzublicken.»

Sophie Taeuber-Arp

Mich würde interessieren, warum einige dieser Namen vor ein paar Jahrzehnten durchaus bekannt waren, seither aber wieder in Vergessenheit gerieten. Als Beispiel nehme ich Heidi Bucher, die erst wieder aktuell wurde durch die grosse Retrospektive im Kunstmuseum Bern.

Ihr werdet, wie ich, neben weltbekannten Künstlerinnen wie Louise Bourgeois oder Miriam Cahn auch einige Namen entdecken, von denen ihr kaum gehört habt. Exemplarisch zeige ich euch die nächsten drei davon: Da ist dies zum einen Eva Wipf (1929-1978) mit ihrem religiös gefärbten Universum und mystischen Denken, die ihre seelische Zerrissenheit in solchen Schreinen ausdrückte.

Oder die 1956 in Zürich geborene Olivia Etter mit ihren Objekten:

Selbst Ella Lanz (1932-2009) war mir unbekannt. Sie war die Tochter des Basler Malers Oskar Althaus und lebte, auch als dessen Modell, im Hinterzimmer des Zürcher Malers Willy Guggenheim, genannt Varlin. Sie hat dann selber zum Pinsel gegriffen und doch erstaunliche Sinnbilder erschaffen.

Ich irrte mich ziemlich stark, als ich dieses Werks ansichtig wurde. Ich wäre eine Wette eingegangen, dass es von Meret Oppenheim ist und ich dieses damals an der erstaunlich vielfältigen Retrospektive im Kunstmuseum Bern einfach übersehen hatte. Aber nein, die Künstlerin heisst Doris Stauffer (1934-2017) und sie nannte es «Schneewittchen und die acht Geisslein», 1966.

Von Meret Oppenheim gibt es einiges zu bestaunen, ich zeige euch aber nur ihren Tisch mit Vogelfüssen.

Das Titelbild ist die Arbeit von Shirana Shahbazi, Hiroshima und Plitvica, 2018

Und mein letztes Bild ist von Klaudia Schifferle, Fräulein Wunderbar, 1983

Es gäbe noch so viel zu zeigen und zu erzählen von den vergessenen wie den berühmten Künstlerinnen dieser Ausstellung, aber schliesslich sollt ihr euch selber einen Eindruck verschaffen. Ich kann jedenfalls mit Fug und Recht behaupten: Wer immer im Kunsthaus Aargau während der letzten hundert Jahre die Ankauf-Entscheidungen traf, hatte ein exzellentes Auge und wir kommen nun endlich auch in diesen Genuss.

Die Ausstellung dauert noch bis 15.1.2023

http://www.aargauerkunsthaus.ch

Kampf um Sichtbarkeit: Künstlerinnen im 19. Jahrhundert

https://creative-brain.org/2020/09/22/schweizer-kunstlerinnen-im-19-jahrhundert-am-beispiel-von-louise-catherine-breslau-und-sophie-schaeppi/

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